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Merry Christmas!

Zu Weihnachten zwei Geschichten für euch...

 

 

Stille Nacht, Heilige Nacht

 

Stille Nacht

Sie sitzt an einer Ecke. Es ist Heilig Abend und dennoch sind Kutschen unterwegs die von klappernden Pferdehufen über die vereisten Straßen gezogen werden.

Ihre Insassen sind in dicke Pelzmäntel gehüllt und die Füße sind kalt, obwohl sie in weichen Fellstiefeln stecken.

In einer Kutsche sitzt eine Familie mit drei Kindern. Die kleinen Bälger schlafen friedlich unter einer Schafswolldecke. Ihre Mutter, deren Kopf in ein warmes Tuch gehüllt ist, betrachtet sie friedlich.

Menschen eilen an ihr vorbei, um in die warmen Stuben zu ihren Familien zu kommen. Dort erwartet sie eine gebratene Gans und zähflüssige Soße. Vielleicht sogar ein Tannenbaum an dem die Kerzen leuchten. Auf das Mädchen wartet niemand, da sie niemanden mehr hat.

Sie wird die ganze Nacht hier an dieser Ecke sitzen und frieren, wie jede Nacht.

Die Menschen auf der Straße rufen sich Weihnachtsgrüße zu und reichen sich die kalten Hände.

Doch an ihr hasten sie vorbei, als gäbe es sie nicht. Der Bordstein ist kalt und sie zittert am ganzen Körper, obwohl sie sich neben einen Misthaufen gesetzt hat.

Der Haufen dampft in der eisigen Luft und verliert nach und nach an seiner Wärme. Sie drückt sich tiefer in den Mist, obwohl es unangenehm riecht.

Auf der gegenüberliegen Straßenseite sammeln sich einige wohlig warm eingepackte Kinder und setzten ein Ständchen an. Immer wieder werden sie von Geschnatter und dem Klappern der Wagen oder dem Wiehern der Pferde übertönt.

Sie schlingt die Arme um ihren dünnen Körper, damit er nicht mehr so unangenehm zittert.

Die Kirchenglocken läuten geräuschvoll zur vollen Stunde. Die Schläge dröhnen in der klaren Winternacht nach.

 

Heilige Nacht

Es ist spät geworden und sie sitzt immer noch auf der Straße. Kaum jemand mehr sitzt nicht am wärmenden Kaminfeuer.

Bestimmt lesen die Väter gerade aus der Bibel vor und die Kinder verfolgen gespannt die Geschichte vom Jesuskind, die sie doch schon auswendig können.

Und tief im Herzen freuen sie sich auf die morgigen Geschenke und das gute Essen, das es über die Weihnachtsfeiertage geben würde.

Mit Qualen denken sie an die lange Weihnachtsmesse, in der es schwer fiel die Augen offen zu halten oder gar den Ausführungen des Pfarrers zu folgen.

Wenn man sie fragt, warum sie Weihnachten feierten, dann sagen sie wenigstens noch: „Da ist das Jesuskind geboren!“ Das ist ein Grund zum Feiern. Die Geschenke sind kein Grund.

Das Mädchen auf der Straße feiert sein eigenes Weihnachten, ohne Geschenke. Von blauen Lippen erzählt sie sich selbst und dem kälter werdenden Misthaufen die Weihnachtsgeschichte. Maria und Joseph hatten keine Herberge gefunden. Das Mädchen würde auch keine finden.

Sie beobachtet die Familien in den erleuchteten Fenstern. Wie sie gemeinsam auf den Sesseln lümmeln und in das knisternde Kaminfeuer starren. Gesättigt vom köstlichen Braten und voll Vorfreude auf den nächsten Morgen. Auf die Geschenke unter dem Baum.

Das Jesuskind, das zitternd vor Kälte in der Krippe gelegen hatte, nur um später für die Menschen zu sterben, war lange vergessen.

 

Alles schläft

Je näher es auf Mitternacht zugeht, desto kälter wird es. Die Lichter in den Stuben sind erloschen und die Vorhänge sind zu gezogen.

In den Betten ist es kuschelig warm mit den Bettflaschen unter den Decken.

Draußen auf der Straße weht ein eisiger Wind, der ihr unter die zerfetzte Leinentunika fährt und eine Gänsehaut auf ihren Beinen mit sich bringt.

Der Misthaufen ist kalt, noch kälter als ihr Körper selbst.

Sie fragt sich, von was kleine Kinder in warmen Stuben nun träumen.

Von Geschenken und Zuckerstangen und ein wenig Lebkuchengebäck womöglich. Vielleicht liegen sie wach und warten bis das Christkind kommt. Doch noch bevor die leisen tapsenden Schritte des Christkindes erklingen, sind ihnen müde die Augen zu gefallen und am kommenden Morgen würden sie bunte Geschenke unter dem Baum finden.

Die Eltern saßen mit einem guten Tropfen Wein vor den glühenden Spänen im Ofen und malten sich die strahlenden Augen ihrer Kinder aus.

Dann würden auch sie ins Bett gehen und friedlich aneinander gekuschelt einschlafen.

 

Einsam Wacht

Doch auch wenn die letzten in Träume gesunken waren, lag sie noch wach auf der Straße.

Ihre Lider flatterten vor Müdigkeit, doch sie wollte nicht einschlafen. Sie durfte nicht einschlafen.

Sie fror gotterbärmlich unter ihrer dünnen Tunika. Jetzt fing es auch noch an zu schneien und die Flocken setzten sich in ihrem Haar fest.

Die Eiskristalle schmolzen nicht auf ihrer Haut, so kalt war sie geworden.

Die Augen fielen ihr zu, doch sie zwang sich wach zu bleiben. Versuchte nach dem Christkind Ausschau zu halten, das bald vom Himmel steigen musste. Vielleicht würde es ihr diesmal auch ein Geschenk bringen.

Sie schaute und blieb wach.

 

Nur das traute hochheilige Paar.

Den gesamten Mittag hatte sie versucht eine Bleibe zu finden. War von Haus zu Haus und Gaststube zu Gaststube gegangen. Hatte sich die Füße wund gelaufen und die Knöchel rot geklopft. Aber alles was sie bekam waren mitleidig geschüttelte Köpfe.

Irgendwann hatte sie es aufgegeben. Maria und Joseph waren in einen Stall gegangen, in dem Ochs und Esel wenigstens ein wenig Wärme spendeten.

Sie hatten sich gegenseitig Kraft gegeben und in den Arm genommen, wenn der Wind unerträglich kalt wurde. Doch das Mädchen hatte niemanden, der sie in den Arm nahm. Sie hatte nicht einmal einen Stall gefunden.

 

Holder Knabe im lockigen Haar

Ihr war kälter, als es dem Jesuskind jemals gewesen sein durfte. Wenn er bibbernd in seiner Krippe auf Heu und Stroh gelegen hatte, dann nahm seine Mutter ihn hervor und schmiegte ihn an ihren warmen Körper.

Es kamen Hirten mit warmen Schafsfelldecken und wickelten den Jungen ein.

Doch wer würde zu ihr kommen?

Weit nach Mitternacht hörte sie auf zu zittern. Sie spürte die Kälte nicht mehr, die an ihrer Tunika zerrte und an ihren Knochen nagte.

Sie war weiß vom Schnee, der immer noch vom Himmel fiel. Wie würden sich morgen alle über weiße Weihnachten freuen.

Ihre Wimpern waren verklebt von Eiskristallen und sie schaffte es kaum noch die Augen offen zu halten. Die eisblauen Lippen bebten leicht unter ihrem Gebet.

Gott hatte ihr Flehen nicht gehört, so schwach war ihre Stimme. Nur ein Raunen im kalten Wind.

Ein Hund heulte in der Nacht.

Das Jesuskind musste sich so wohlig warm gefühlt haben, zwischen all den Menschen, die gekommen waren nur um es zu sehen.

Sie fühlte sich kalt.

 

 

Schlaf in himmlischer Ruh’

Ihre Haut war bleich wie der Schnee selbst. Die Beine eng an den Körper gezogen und die zerbrechlichen Ärmchen darum herum geschlungen lag sie auf den Pflastersteinen, neben dem vereisten Misthaufen.

Die Wärme war aus beiden entwichen.

Ihr fielen die Augen zu. Sie war zu schwach, um sie noch offen zu halten.

Aus eisblauen Augen sah sie zum letzten Mal die verlassene Straße.

War dieses Leuchten das Christkind, umschienen vom göttlichen Licht?

Sie fühlte sich müde.

Sie wünschte sich nichts sehnlicher als endlich in Ruhe zu schlafen und auch von Zuckerstangen zu träumen.

Ermattet schloss sie die Augen, obwohl Schlafen ihren Tod bedeuten konnte.

Sie gab sich auf und schlief ein.

Schlief bis in alle Ewigkeit in himmlischer Ruh.

 

weil...

Sie lief durch die belebten Straßen. Vor den Holzbuden lag noch vereinzelt Schnee, der noch nicht von dicken Winterstiefeln platt getreten war.

Sie genoss die Stimmung auf dem Weihnachtsmarkt. So eilig manche es auch hatten, Geschenke zu besorgen, Hektik wollte einfach nicht aufkommen.

Der Duft gebrannter Mandeln und gerösteter Maronen wehte durch die Gassen zwischen den Ständen und von überall her drangen die sanften Klänge einer Flöte oder eines Chors.

Sie reckte den Kopf in den Himmel und lies die weißen Flocken in ihr gerötetes Gesicht schneien.

Gerade eben hatte es wieder angefangen zu flocken und der Schnee setzte sich in ihre blonden Haare, sowie auf die dicken Mäntel und Mützen unter denen die Besucher des Weihnachtsmarkts verborgen waren.

Sie vergrub ihre Hände, die schon in schwarze Handschuhe eingepackt waren, noch tiefer in die Taschen ihrer Jacke und schlenderte an einer Horde kleiner Kinder mit ihren Eltern vorbei, die sich vor einen Stand mit Holzspielzeug drängten.

Ein Mädchen von dessen Kopf rote Bommel ihrer Mütze baumelten rannte ohne aufzuschauen knapp an ihr vorbei und seine Mutter warf ihr entschuldigende Blicke zu.

Ein Lächeln huschte über ihr Gesicht und zog ihre roten Wangen nach oben.

Sie kämpfte sich durch die frierende und dennoch glückliche Menge zu einem Glühweinstand durch.

Mit dem warmen Pott in der Hand stellte sie sich zu einem Tisch, an dem ein Pärchen sich gegenseitig wärmte.

Der Dampf stieg ihr in die Augen und brachte sie nur noch mehr zum Weinen.

Was war nur geschehen, dass alles so schnell vorbei gewesen war.

Noch vor einer Woche, liefen sie zusammen über die Märkte und teilten eine Schokoladen übergezogene Banane.

Nur ein Satz hatte alles zerstört. Vielleicht war es auch mehr als ein Satz gewesen, aber es ging unbegreiflich schnell.

Sie hatte es nicht gewollt, sicher nicht.

Sie hatte nicht gewollt, dass alles in die Brüche ging, dass sie nachts weinend im Bett lag und dass sie keinem Gespräch mehr folgen konnte, weil sie an ihn dachte.

Der warme Glühwein lief ihren Rachen hinunter und heizte sie von innen auf.

Ihre Tränen froren unweigerlich an ihrem Gesicht fest.

Sie fühlte sich schlecht und wünschte sich zurück nach Hause. Sie wollte nur ihr Kissen in den Arm nehmen und zu „Incomplete“ weinen, ohne auf die Zeit zu achten, die pausenlos an ihr vorüberraste.

Das Pärchen war verschwunden und schlug sich nun wohl Händchen haltend durch die Duftkerzenstände oder kaufte an irgendeinem Schmuckstand Ketten, die ihre ewige Liebe symbolisierten.

Sie umfasste das Freundschaftsband an ihrem Handgelenk.

Freundschaft…

Sie leerte die Tasse mit einem Zug und ließ sie ungeachtete des Pfandes am Tisch stehen.

Sie musste sich ablenken, irgendwie.

Sie betrachtete die Räucherstäbchen mit ihren unterschiedlichsten Düften, ohne sie richtig zu sehen.

„Kann ich ihnen helfen“, drang die Stimme des Budenbesitzers zu ihr durch.

Ja, das konnte er.

Er könnte zu ihrem Freund rennen und ihm sagen, dass es ihr Leid tat und dass sie eine zweite Chance wollte.

Sie wusste nicht warum sie auf diesen Weihnachtsmarkt gegangen war.

Mittlerweile war sie sich sicher, dass es ein Fehler war.

Vor einigen Wochen hatten sie geplant zuerst zu seinen Eltern zu fahren und auf der Rückfahrt hier herzukommen.

Hier gab es die allerbesten Schokofrüchte, die er nie hatte leiden können, bis sie zusammen gekommen waren.

Bis jetzt hatte sie beflissentlich die andere Richtung gewählt, nur nicht zu den Schokofrüchten.

Aber da sie nun so oder so in Tränen ausgebrochen war, konnte sie sich wenigstens noch diesen Gefallen tun.

„Nein danke“, meinte sie zu dem Budenbesitzer und drückte sich durch die Menge.

So viele lachende Gesichter. Kinder mit ihren Eltern, Frauen mit ihren Partnern, Freunde.

Warum war sie nicht einfach zu ihrer besten Freundin gefahren? Vielleicht weil diese auch mal ihre Ruhe vor ihrem ewigen Gejammer haben wollte.

Sie hatte darauf gehofft, dass es in nur wenigen Tagen wieder wie früher werden würde.

Er würde bei ihr vor der Haustür stehen und klingeln und sagen: „Ich kann nicht mehr ohne dich leben, weil…“
Ja warum eigentlich? Er konnte bestimmt gut auf sie verzichten. Aber sie nicht mehr auf ihn.

Wenn sie darüber geredet hatten, was passiert wenn sie sich einmal trennten, dann hatten sie immer genau das fantasiert.

Aber weiter als bis zu „weil“, waren sie nie gekommen. Damals hatten sie sich nicht vorstellen könne, warum sie überhaupt streiten sollten.

Oder wussten sie nur einfach nicht, ob sie wirklich nicht ohne den anderen leben konnten?

Sie wusste es jetzt. Sie brauchte ihn.

Sie bog um einen Stand mit Kerzen und da war der beleuchtete Süßigkeitenwagen.

Sie schloss die Augen und blinzelte ihre Tränen weg.

Gerade wollte sie hintreten und eine Schokobanane verlangen, da stellte sich ihr jemand in den Weg.

Er kam von links und so wie ihr es vorkam, hatte er nur darauf gewartet sie zu treffen.

Womöglich stand er hier schon die ganze Zeit und hoffte, dass sie genau das machen würde, was sie zu zweit geplant hatten.

Sie hatte es getan und nun stand er vor ihr. Die Wangen rot und dicke Ränder unter den wundervollen braunen Augen, in denen sie am Liebsten ertrinken würde.

Sie wollte den Mund aufmachen, fragen was er hier tat.

War ihm vielleicht ein Satz nach dem berühmten „weil“ eingefallen?

Sie holte Luft und seufzte. Sie konnte nicht sprechen. Sie mochte weinen und sich dann an ihn schmiegen und endlich würde alles wieder gut sein.

Er zog die Hand hinter seinem Rücken vor, in der ein kleiner, fein geschnitzter Engel saß.

Er blickte freudig zu den zwei Menschen auf und seine Flügel waren ausgebreitet, um davon zu schweben. Wohin? Vielleicht auf Wolke sieben?

Sie streichelte mit dem Finger über die hölzernen Locken und sah dann ihrem Freund ins Gesicht.

Die Zeit schien still zu stehen. Die Welt hatte aufgehört sich zu drehen und alles um sie her hielt den Atem an. Sogar der kleine Engel in seiner Hand.

Sie folgte seinen Lippen wie sie die Worte formten, die Worte, die dem „weil“ folgten. Er hatte so sanfte Lippen und sie würde sie gerne sofort küssen.

Der Satz drang zu ihr durch, wie durch Watte.

Watte, in die sie sich seit Tagen einpackte, um nicht bei jeder Gelegenheit in Tränen auszubrechen.

Watte, die jetzt dahin schmolz wie Schnee im Frühling, als er ihr das Geschenk hinstreckte und endlich alles wieder gut werden würde.

„…weil du mein Engel bist!“

 

 Ich wünsche euch allen Frohe Weihnachten!!!

Ich hoffe ihr könnt diesen Abend zwischen Geschenkpapier unter dem Tannenbaum und im warmen Licht der Kerzen auf das vergangene Jahr zurückblicken und "Danke" sagen. So wie ich es kann. Danke an die vielen schönen Momente, Danke an die Erfahrungen die ich gemacht habe und Danke an die Menschen denen ich begegnen durfte!

Ich wünsche euch besinnliche und fröhliche Feiertage und ein wunderschönes Fest!

In weihnachtlicher Liebe Krisi 

24.12.06 11:33
 


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