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Zirkus ist...

...SHOW

Trommelwirbel, Fanfarenklänge und die Stimme des Zirkusdirektors, die wie ein anspringender Rasenmäher durch die Lautsprecher schallt: Und nuuuun begiiinnt die Shoooooooow!!!!!!

Lichter wirbeln im Kreis, Paukenschläge zerfetzen die wartende Stille und Nebel breitet sich in der Manege aus. Dann galoppieren weiße Pferde durch den bläulichen Dunst und schimmern als hätten sie den Schatten des Mondlichts in ihrem Fell gefangen.  

Sie drehen ihre Runde, steigen in die Höhe und wirbeln den Manegenstaub auf. Wie im Flug ist die Show vorbei!

...SEX

Gemächlich trotten die schweren Dickhäuter in die Mitte der bunten Arena. Auf ihrem breiten grauen Rücken räkeln sich spärlich bekleidete Damen. Ihr BH blitzt unter dem bis zum Bauchnabel dekoltierten Oberteil hervor. Die Pailletten und Strasssteine funkeln verführerisch. Dann springt ein junger gutaussehender Dompteur zwischen die Elefanten. Seine Muskeln spielen unter den weiten Puffärmeln seines Kostüms, die Brust glänzt schweißnass zwischen schwarzem Stoff. Die silbern aufgestickten Blumenranken fangen das Scheinwerferlicht ein und strahlen mit seinen hellgrauen Augen um die Wette. "Hey!" Die Elefanten gehorchen ihm auf's Wort und die eleganten Damen vollführen ihr graziles Ballett auf den riesigen Tieren. Necken, reizen, kokettieren. Lust und Leidenschaft. Verboten tiefe Einblicke. SEX

...GEFAHR

 Ein einziger Paukenschlag. Stille. Weinroter Samt umspielt seinen angespannten Körper. Das Messer in seiner Hand bricht das grelle Licht. Alle Schweinwerfer sind auf die Frau in ihrem knappen Tange gerichtet. Ihre Augen sind vertrauensvoll geschlossen, aber ihr brauner Haaransatz zuckt vor Anstrengung. Die Rose zwischen ihren Lippen bleibt ganz ruhig. Vertrauen ist alles. Er wirft. Das Publikum hält den Atem an. Mit einem rosaroten Regen zerspringt die Rose. Sie springt lässig nach vorne und verbeugt sich tief. Er nimmt ihre Hand und führt sie zu der blauen Wand. Elegant und selbstbewusst stellt sie sich auf einen Sockel, lässt sich Hände und Füße festschnüren. Er weißt mit der Hand auf sie, als wolle er sagen: Schaut die Todesmutige! Dann dreht er die Wand an. Immer und immer schneller wirbelt sie im Kreis. Die Frau, die an ihr gekettet ist, ist nichts weiter als eine wirbelnde Shilouette aus Farben und Glitzer. Zehn Messer. Fünf für jede Seite. Ein Raunen geht durch die Menge, dann ist Stille. Atemlose Stille...angstvolle Stille. Eins. Zwei. Drei. Vier. Fünf. Das Rad wird immer schneller, der Atem stockt. Schweiß perlt auf seiner Stirn. Keinen Fehler. Sechs. Sieben. Das Herz rast. Was muss in ihrem Kopf vorgehen. Acht. Kann sie bei dieser Geschwindigkeit noch Angst empfinden? Neun. Die Luft wird knapp. Man kann die Anspannung in der Luft riechen. Zehn. Tosender Beifall.

...KINDERLACHEN

Der kleine Mann mit dem schwarzen Frack und der Melone turnt durch die Zuschauerreihen. Freiwillige werden in die Manege gezwungen. Er hüpft und springt wie ein kleiner Gnom. Den Besen hat er fest in der Hand während er unsichtbaren Verfolgern nachjagt. Die Kinder lachen herzhaft und geben ihm Tipps. Ihr Lachen kitztelt mich im Nacken...wie ein warmer Sommerregen. Die Erwachsenen beobachten sie schmunzelnd. Dann nimmt er einen Eimer und fängt erträumte Bälle aus der Luft. Er sammelt sie in seinem funkelnden Eimerchen und die Kinder lachen. Er hat den schönsten Job. Dann schleudert er den Inhalt an die Dinge und abertausend Sternenlichter flimmern auf. Oooooh. Er bringt Kinder zum lachen und zum staunen.

...MAGIE

Rote Bänder schwingen von der Decke. Sie bauschen sich auf als wehe der Wind kräftig in sie hinein. Wie lebendige Geister schlängeln sie sich und wiegen sich auf die zauberhafte Musik. Vier Frauen schweben in der Luft, kaum gehalten von den roten Tüchern. Ihr Glieder sind grotesk verzerrt, zwischen ihren Zähnen halten sie Säbel, die in einer Rose enden. Männer in weißen Tuniken, die unten auf dem Boden stehen, ziehen die Gehängten auseinander. Sie fangen an zu tanzen, schwingen die Beine. Fliegen. Schweben. Träumen.

Die Zeit friert ein. Nichts ist mehr wahr. Die Musik reißt die Zuschauer in ihren Bann. Das Spiel lässt niemanden mehr los. Sie schwingen hin und her. Drehen und wenden sich. Steigen hinauf und fallen hinab. Wie Blätter wirbeln sie im Wind. Sie tanzen und scheinen die Schwerkraft dabei zu vergessen. Ihre Körper folgen keinen physikalischen Gesetzen mehr, bestehen aus nichts als aus reiner Schönheit. Grazie, Anmut, Macht und kindisches Vergnügen mischen sich zu einem einzigen Anlitz der Pracht. Acht Menschen und vier rote Tücher verschmelzen mit fernöstlichen Klängen zu einem einzigen Wesen, dass mit seinen Bewegungen alle an sich fesselt.

Dann, es könnten Minuten, Sekunden oder eine Ewigkeit gewesen sein, ist es vorbei. Die Musik erstirbt. Beifall brandet auf. Eine Woger der Begeisterung. Die Artisten werden wie berauscht von ihr davongespült. Der Zauber fließt mit ihnen davon. Nur irgendwo in den Spalten zwischen den Holzbohlen und in den Haaren meines Vordersitzers bleibt ein bisschen hängen.  

...volle PANNE

Seehunde. Was für putzige Tiere. Vor allem, wenn sie nicht wollen, wie ihr Dompteur. Da können sie doch recht stur sein. Da hilft kein Hering kein gar nichts. Die Seehunddame musste vor Langeweile sogar gähnen, weil der Herr sich nicht bewegt. Herrje, die Arme...Und dann musste der Programmpunkt abgebrochen werden. Ach ja "die Launen der Natur" =)

...STERNENLICHT

Wenn das Licht aller Sterne am Firmament Mensch werden würde, dann würde es zu diesem Mann werden. Er ist bleich wie das Licht selbst und um seine Arme und Beine weht weißer Stoff wie Wolkenfetzen vor dem Sternenzelt. Er selbst dreht und wirbelt und tanzt wie Lichtexplosion irgendwo im All. Nichts an ihm scheint beständig. Seine Arme sind dort wo sein Kopf sein sollte, seine Beine verdrehen sich, er senkt sich ab und richtet sich auf wie Wellen am Meer. Nichts ist real. Alles Zauber. Vergänglich und wünderschön wie ein Stern.

...SCHAUSPIEL

Sechs junge Fraune aus China treten auf, als kleine verspielte Mädchen. Ihre roten Zöpfe wippen, wenn sie auf kleinen Füßen durch die Gegen trippeln. Ihre Kunststücke begeistern die Menge. Sie fliegen durch einander und wie ihre Diavolos hoch über ihnen. Rot weiße Lichtbänder wie die Schleppe eines chinesischen Drachens am Neujahrstag. Hohe Kunst.

Dann ein kleines Mädchen im weißen Plüschkleid. Es trippelt wie eine Ballerina umher, durch Reihen von weiteren Artistinnen in roten Anzügen. Plötzlich ertönen Technoklänge. Die Köpfe der Chinesinen wippen rythmisch auf und ab. Sie fangen an zu hüpfen und dann beginnt ein Spektakel auf Räder. Sie springen von Fahrrad zu Fahrrad, gleiten durch die Luft und man kann ihrer blitzschnellen Akrobatik kaum folgen.

Der Höhepunkt bahnt sich an. Zehn oder mehr Mädchen zwängen sich auf ein Rad. Wie eine Blüte breiten sie die Arme auseinander und in der Mitte sprießt das kleine Mädchen mit dem Plüschkleid hervor. Ganz großes Kino.

Zirkus ist der Duft nach Zuckerwatte und süßen Popcorn. Zirkus ist das aufgeregte Tuscheln und der stürmische Beifall. Zirkus sind Licht- und Schattenspiele. Zirkus ist Angst, Vertrauen, Erleichterung, Begeisterung und Freude.

Zirkus ist der Moment, wenn du vergisst, dass du noch wach bist

28.12.06 23:54
 


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peta-pan / Website (29.12.06 00:28)
http://www.zirkus-tiere.de.vu/

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